Ministerium für Wahrheit …

… in Anlehnung an den Roman 1984 oder „Löschzentrum“, wie man es bei Arvato nennt. Heute stand wieder ein Artikel über das Zensur-Zentrum von Arvato in der Tageszeitung Die Glocke. 650 Mitarbeiter löschen da jeden Tag fleißig Daten jener Bürger, die am Facebook-Dienst teil nehmen. Natürlich löschen die Mitarbeiter nur die schlimmen Daten, helfen damit den Bürgern und retten sogar hier und da welche. Dabei brauchen einige dieser fleißigen Mitarbeiter nach einiger Zeit sogar psychologische Betreuung, weil diese schlimmen, schrecḱlichen Daten ihnen doch sehr zusetzen. Aber auch darum kümmert sich Arvato sehr verständnisvoll. …

Wenn man das Wort „oberflächlich“ erklären wollte, dann könnte man genau diesen Artikel der Glocke (durchgereicht von der dpa) sehr gut nutzen, um ein Beispiel für einen „oberflächlichen“ Text zu geben. Und leider häufen sich diese oberflächlichen Texte (nicht nur in der Glocke), denn von kritischem Hinterfragen des Löschens war weit und breit keine Spur. Die Presse hielt es scheinbar nicht für nötig, sich mal genau das Regelwerk anzuschauen, nach dem Daten gelöscht werden. Auch war es scheinbar uninteressant, sich mal einen statistischen Blick inkl. Stichproben von Löschungen eines Tages, einer Woche und eines Monats zeigen zu lassen. Auch erfuhr man nichts darüber, wer Arvato dafür bezahlt, dass es mit 650 Mitarbeitern jeden Tag fleißig Daten löscht. Letztendlich ging es in dem Artikel nur darum, den Leser einzunebeln und ihm das Zensieren bzw. das Löschen als etwas Wichtiges zu verkaufen.

Leider ist das wohl erst der Anfang der Zensur, denn unsere Politiker haben ja vor kurzem ein Gesetz verabschiedet, was noch weit mehr als Zensur erlauben wird. Aber die meisten Bürger haben davon sicherlich nichts mitbekommen, weil genügend Nebel von der Presse verteilt wurde.

(Hier kann man übrigens einen Artikel vom Spiegel finden, der deutlich besser über den ersten Blick der Presse berichtet! Aber: Wer liest heute noch den Spiegel? Und wie lange stehen die guten Artikel des Spiegels im Netz? Die Auflage des Spiegels hat in den letzten Jahren auch sehr gelitten, weil viel Oberflächlichkeit verbreitet wurde bzw. das Vertrauen der Leser abhanden gekommen ist. Aber bitte, prüft das alles immer intensiv selber, denn wir schreiben hier nur unsere Sicht, unsere Erfahrung.)

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Eine Antwort zu “Ministerium für Wahrheit …

  1. Habe erst gestern einen TV Bericht zu dem Thema gesehen (Panorama?, weiß ich nicht mehr genau), dort wurde gezeigt, dass einem Journalisten erlaubt worden war im Löschzentrum in Berlin zu drehen und Mitarbeiter zu befragen. Das Interview durfte aber nur über 15 Minuten dauern und es waren ausgesuchte Mitarbeiter ( 2 ) immer im Beisein des Pressesprechers. Die beiden Mitarbeiter lobten ihren Job und die Firma. Der Journalist durfte leider keinen Blick in das über tausend Seiten umfassende Regelwerk tätigen!!! Schade eigentlich, denn ich frage mich schon seit Inkraftsetzung des Netzdurchsuchunggesetzes nach welchen Kriterien gelöscht wird…Ein Hoch auf unsere vielgelobte Meinungsfreiheit, mal schauen, wie lange unsere Demokratie noch durchhält

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